Rheda-Wiedenbrück, 26. August 2026. COR gratuliert Peter Maly herzlich zu seinem 90. Geburtstag und dankt ihm für eine Zusammenarbeit, deren Anfang 57 Jahre zurückliegt. Mit seinen zahlreichen Entwürfen hat Maly bleibende Spuren in der COR Geschichte ebenso wie in der deutschen Wohnkultur hinterlassen. Eine Frage, die für den Designer stets von zentraler Bedeutung war: Wie lassen sich Möbel so gestalten, dass sie in Räumen die Bedürfnisse der Menschen dauerhaft erfüllen? Malys Antwort liegt weder in modischen Effekten noch in formaler Beliebigkeit. Sie liegt in der Verbindung von Funktion und Ästhetik, von klarer Konstruktion, Komfort und einer Formensprache, die ihre Gültigkeit über Jahrzehnte bewahrt.
Wohnen als zentrales Thema
Sein Weg zum Design begann mit dem Handwerk: Nach einer Tischlerlehre studierte Maly Innenarchitektur in Detmold. Im Anschluss an das Studium wird er 1960 nach Hamburg zur Zeitschrift „Schöner Wohnen“ berufen. Zehn Jahre lang war er Teil der Redaktion und deren leitender Innenarchitekt, bis er 1970 sein eigenes Studio für Design und Innenarchitektur in Hamburg gründete. Die redaktionelle Arbeit beeinflusste sein Verständnis von Produktdesign entscheidend: Ein Möbel war für Maly nie nur ein autonomes Objekt, es wurde im Kontext eines ganzheitlichen Wohnansatzes gesehen und musste einem klar definierten Bedürfnis nachkommen. „Gestalter wird man nicht zum Selbstzweck“, pflegte er zu sagen.
Ein Dialog zwischen Gestalter und Hersteller
Die gemeinsame Geschichte von Peter Maly und COR begann im Jahr 1969 mit Trinom – dem ersten Entwurf für den Sitzmöbelhersteller in Rheda-Wiedenbrück und seinem zweiten Entwurf überhaupt. Das beinahe poppig anmutende Sitzmöbel aus farbigen Kunststoffschalen und bequemen Sitzpolstern brachte den Zeitgeist jener Jahre zum Ausdruck und markierte den Beginn einer langjährigen produktiven Partnerschaft. Es folgten Modelle wie Zyklus, Cirrus, Tabo, Zelda, Attendo, Circo und viele mehr. Vor allem in den 1980er- und 1990er-Jahren prägte Maly die Designhaltung von COR.
Gestaltung als Haltung
Die Zusammenarbeit mit dem Familienunternehmen beruhte dabei nicht allein auf gegenseitiger Wertschätzung, sondern auch auf einem gemeinsamen Verständnis von Verantwortung. Mit dem damaligen COR Geschäftsführer Helmut Lübke verband Maly die handwerkliche Herkunft. Beide hatten zunächst das Tischlerhandwerk erlernt. Beide verstanden Möbeldesign nicht als dekorative Zugabe, sondern als Zusammenspiel von Idee, handwerklicher Qualität, Komfort und Langlebigkeit. Beide sahen in der Möbelherstellung eine Verantwortung gegenüber den Menschen, die mit den Möbeln leben, gegenüber dem Hersteller und gegenüber den eingesetzten Ressourcen. Die Beziehung zwischen Lübke und Maly führte zu einer Arbeitsgemeinschaft, tiefer Freundschaft – und zu echten Möbelklassikern.
Ein Puppensessel schreibt Designgeschichte
Das bekannteste Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist der Sessel Zyklus. Seine Entstehungsgeschichte beginnt 1983 bei den Vorbereitungen für einen COR Messestand in Mailand. Peter Maly möblierte ein Architekturmodell mit einem kleinen Sessel aus der Puppenstube seiner Tochter Laura. In dem Spielmöbel erkannte Helmut Lübke jedoch den Ausgangspunkt für einen leichten Sessel, der auch in kleineren Räumen großzügig wirken könnte. So entstand aus dem Austausch zwischen Designer und Unternehmer eine Konstruktion aus Stahlrohr, Polstern und Kreisformen. Der Kreis erscheint als Rad und verstellbare Nackenrolle, halbiert als Sitz und Rücken und in Kreissegmenten als Armlehne. Der Sessel Zyklus machte Peter Maly einem breiten Publikum bekannt und entwickelte sich zu einem Sinnbild des deutschen Designs der 1980er-Jahre: skulptural und komfortabel zugleich.
Archetypische Formen, eigenständiger Charakter
„Geometrische Elementarformen, Kreis, Quadrat, flaches Rechteck, veralten nicht“, formulierte Peter Maly einmal sein gestalterisches Prinzip. Aus diesen Grundformen entwickelte er seine Möbel mit einer klaren räumlichen Identität. Sein ganzheitliches Denken reichte weit über einzelne Produkte hinaus – Messestände, Showrooms, Ausstellungen und fotografische Inszenierungen waren Teil dessen. Maly gehört zu den einflussreichsten Designern seiner Zeit mit einem hohen Wiedererkennungswert und internationaler Reputation. Unternehmen wie Thonet, Ligne Roset, Behr International, interlübke, Conde House, Conmoto, Sauter, Carpet Concept oder tecta gehörten zu seinem Tätigkeitsportfolio. Mit seinen Arbeiten, die unter anderem im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, im Kunstgewerbemuseum Berlin und im Red Dot Design Museum Essen präsentiert wurden, zeigte Peter Maly, dass Langlebigkeit nicht durch gestalterische Neutralität entsteht. Sie entsteht durch Klarheit, Konsequenz und den Mut zu einer eigenständigen Idee. Sein Werk erinnert daran, was gutes Design leisten kann: Es löst Aufgaben, schafft Komfort, prägt Räume – und bleibt.